Halsschmerzen
Erstellt am: 01.07.2024
Aktualisierte Veröffentlichung: 13.08.2026
Autorin: Monika Loerchner
Halsschmerzen sind etwas sehr Unangenehmes. Doch wieso haben wir sie überhaupt? Und wann sollte man damit zu einem Arzt oder einer Ärztin gehen?
Dr. Uwe Schubert, HNO-Arzt und tätig beim Jugendärztlichen Dienst des HSK-Gesundheitsamtes, stand uns zu diesem Thema Rede und Antwort.
Dr. Schubert, wieso hat man überhaupt Halsschmerzen, wenn man erkältet ist?
Dr. Schubert: Erreger gelangen meist durch den Mund- oder Rachenraum in den Körper. Dann nisten sie sich oft im Hals ein, zuerst an der Oberfläche, dann auch in tieferen Schichten.
Und von dort aus versuchen sie dann, noch weiter in den Körper einzudringen?
Dr. Schubert: Genau. Unsere körpereigene Abwehr wiederum versucht, sie draußen zu halten und unschädlich zu machen. Dann haben wir eine Entzündung und die tut weh.
Habe ich das richtig verstanden, dass eine Entzündung also im Grunde genommen etwas Gutes ist?
Dr. Schubert: Unser Körper reagiert mit einer Entzündung auf einfallende Erreger und versucht, sie mit Abwehrzellen und Botenstoffen anzugreifen. Also ja, das ist etwas Gutes.
Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass man eigentlich gar nichts gegen die Entzündung unternehmen sollte …?
Dr. Schubert: Das kommt immer auf den Fall an. Fieber etwa ist ja auch eine Abwehrreaktion, mit der der Körper versucht, die Erreger an der Ausbreitung zu hindern. Wenn man fiebersenkende Mittel gibt, wird diese Reaktion gedämpft. Allerdings ist zu hohes Fieber selbst ein Risiko. Man muss also immer abwägen. Bei unkomplizierten Halsschmerzen dagegen rate ich, den Körper einfach machen zu lassen. Eventuell kann man etwas gegen die Schmerzen einnehmen, um schlafen zu können.
Bei sehr starken lokalen Beschwerden kann man auch Lutschtabletten nehmen, welche oberflächlich wirkende Schmerzmittel beinhalten.
Als Erwachsener kann man die Schmerzen ja vielleicht aushalten, aber was ist mit Kindern?
Dr. Schubert: Auch da kann man Paracetamolsaft geben, das hilft gegen Schmerzen und Fieber. Oder, wenn die Beschwerden ganz schlimm sind, kann man idealerweise unter Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt, auch Ibuprofensaft geben, damit der kleine Patient sich überhaupt ausruhen und erholen kann.
Keinesfalls sollte man die Kinder aber mit diesen Mitteln für den Kindergarten oder die Schule „fitdopen“!
Was ist mit Hustenbonbons und Gurgellösungen?
Dr. Schubert: Hustenbonbons führen immerhin dazu, dass man weniger hustet und die Schleimhäute feuchter sind. Gurgellösungen helfen in der Regel weniger, da sie gar nicht an die Erreger in den tieferen Schichten herankommen. Ansonsten gibt es aber noch einige Hausmittel, die helfen können.
Zum Beispiel?
Dr. Schubert: Ein Hausmittel, das bei Racheninfekten sehr gut wirkt, ist Zwiebelsaft: Schneiden Sie eine Zwiebel in Würfel, geben Sie 1-2 Esslöffel Zucker darauf und lassen Sie das Ganze zwei Stunden lang abgedeckt stehen. Es entsteht ein Saft, der sehr gut hilft und auch gar nicht scharf oder schlimm schmeckt.
Klingt schaurig …
Dr. Schubert: Kinder, die nicht wissen, was es ist, trinken den Saft sehr gern, man könnte ihn z.B. Zaubersaft nennen. Bei Halsschmerzen solle man übrigens generell viel trinken. Salbeitee zum Beispiel.
Das mit dem Trinken sagen Ärztinnen und Ärzte irgendwie immer – wieso eigentlich?
Dr. Schubert: Wenn der Flüssigkeitshaushalt optimal ist, kann sich der Körper optimal mit dem Angriff auf den Erreger beschäftigen. Außerdem können so die für die Abwehr so wichtigen Schleimhäute feucht gehalten werden. Das erschwert das Eindringen und verringert die Symptome, man hat also weniger Schmerzen, und die Erreger können besser in den Magen gespült werden, wo sie von der Magensäure zerstört werden. Zudem werden schädliche Stoffe mit dem Urin ausgeschieden und auch dafür braucht es reichlich Flüssigkeit.
Gut, Sie haben mich überzeugt. Gibt es auch andere Hausmittel?
Dr. Schubert: Was immer gut ist, ist viel Vitamin C. Das geht ganz einfach mit einem klassischen Zitronengetränk mit Honig. Den Zitronensaft gießt man dabei allerdings am besten nur mit warmem Wasser auf. Zu heißes Wasser zerstört nämlich die Vitamine der Zitrone und auch die heilungsfördernden Wirkstoffe des Honigs.
Ansonsten helfen je nach Befinden kalte oder warme Halswickel, verschiedene Zusätze wie Quark oder Retterspitz verstärken die Wirkung. Wichtigste Regel bei Wickeln: Sie dürfen nie unangenehm sein! Nach dem Anlegen des Wickels muss der Patient ins Bett. Sinnvoll ist ein kalter Halswickel vorne am Hals und gleichzeitiges Trinken einer heißen Flüssigkeit.
Es gibt Menschen, die bei ersten Halskratzen versuchen, die Erkältung auszuschwitzen. Funktioniert das wirklich?
Dr. Schubert: Wenn man spürt, dass eine Erkältung im Anmarsch ist, kann man versuchen, die Erreger mit Hitze – etwas durch den Gang in die Sauna oder ein heißes Bad – zu bekämpfen, also die Erkältung auszuschwitzen. Wenn die Erkrankung aber weiter fortgeschritten ist, und Sie aber mit Fieber und Schüttelfrost Bett liegen, sollten Sie eben nicht in die Sauna geben oder baden, weil dies den Körper zusätzlich belasten würde. Stattdessen sollten Sie sich Ruhe gönnen. Und natürlich kann man sich auch immer ärztlich beraten lassen.
Kommen Halsschmerzen eigentlich immer von einer Erkältung her?
Dr. Schubert: Halsschmerzen können viele Ursachen haben, aber zu einem hohen Anteil hat man es mit einem viralen Erreger zu tun, also einer normalen Erkältung. Hierbei halten die Halsschmerzen 1-3 Tage an.
Und wann sollte man eine Arztpraxis aufsuchen?
Dr. Schubert: Wenn die Halsschmerzen irgendwie ungewöhnlich oder nur einseitig sind oder länger als drei Tage andauern.
Tatsächlich? Es käme mir ehrlich gesagt nie in den Sinn, nur wegen drei Tagen Halsweh in eine Arztpraxis zu gehen …
Dr. Schubert: Das sollten Sie aber! Bei zunehmenden oder häufig wiederkehrenden Beschwerden oder spätestens nach 14 Tagen andauernden Schmerzen rate ich dringend dazu. Besser wäre es aber wie gesagt, Sie würden die Sache schon nach drei Tagen Halsschmerzen abklären lassen.
Wieso?
Dr. Schubert: Weil Halsschmerzen eben manchmal doch auf eine ernste Erkrankung hinweisen können, vor allem, wenn sie wie gesagt länger andauern oder nur einseitig sind. Scharlach zum Beispiel ist, frühzeitig erkannt, gut in den Griff zu bekommen. Ich erklärte ja bereits, dass Erreger oft über den Mund- und Rachenraum eindringen. Unsere dortigen Schleimhäute bilden den ersten Schutzwall gegen Angriffe. Danach die Mandeln, dann die Lymphknoten im Hals. Gelingt es Erregern, diese Barrieren zu durchbrechen, können sie sich lokal im Gewebe ausbreiten, oder in den Blutkreislauf eindringen und zum Beispiel Mandelabszesse oder Herzmuskelentzündungen verursachen. In der Regel schafft es der Körper, selbst mit dem Infekt fertig zu werden. Aber manchmal eben auch nicht. Ohne Antibiotika, das muss man ganz klar sagen, würden noch immer viele Menschen an "einfachen" Krankheiten wie Scharlach sterben.
Gibt es Unterschiede in den Beschwerden bei Bakteriellen oder Viralen Infekten?
Dr. Schubert: Bei einem klassischen viralen Infekt haut es Sie ja meist um, so richtig mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei einem bakteriellen Infekt ist Ihr Allgemeinzustand weniger dramatisch, Sie fühlen sich weniger krank, allerdings tut der Hals in der Regel viel mehr weh.
Wie ist es mit Halsschmerzen mit Heiserkeit?
Dr. Schubert: Je nachdem, welche Stelle hauptsächlich betroffen ist, unterscheidet man zwischen einer Rachenentzündung, einer Mandelentzündung oder einer Kehlkopf- bzw. Stimmbandentzündung welche dann mit Heiserkeit einhergeht.
Neben einem klassischen, eher schmerzhaften Infekt können die Stimmbänder auch bei Überbeanspruchung, etwa durch lautes Anfeuern der Lieblingsmannschaft gereizt werden, hier bilden sich dann kleine Verletzungen und Risse, eventuell auch Mini-Entzündungen. Die heilen aber in der Regel problemlos wieder ab und machen kaum Schmerzen.
Was sind sonst noch klassische Ursachen von chronischen Halsschmerzen?
Bei einer länger als drei Monate andauernden Entzündung im Rachenraum spricht man von einer chronischen Pharyngitis. Ausgelöst wird sie nicht durch Keime, wie die akute Form, sondern durch eine langandauernde Reizung der Schleimhäute.
Hier kommen viele Ursachen in Frage, zum Beispiel übermäßiger Nikotin- oder Alkoholgenuss, Allergien, häufiges Aufstoßen von Magensäure (Säurereflux), chemische Luftbelastung oder Staub am Arbeitsplatz, trockene Raumluft bei überheizten Räumen und Klimaanlagen vor allem im Auto.
Auch eine stark behinderte Nasenatmung z.B. durch eine Nasenscheidewandverkrümmung oder Nasennebenhöhlenentzündung, eine Strahlentherapie im Bereich des Kopfes oder Halses oder hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre (Klimakterium) können die Rachenschleimhaut austrocknen und dadurch zu Reizungen führen.
Man sollte daher immer gut auf die Luftfeuchtigkeit im Raum achten. Idealerweise liegt die zwischen 40 und 60 Prozent. Durch richtiges Lüften oder Luftbefeuchter kann man so also auch aktiv Halsschmerzen vorbeugen.
Durch Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Händedesinfektion, Abstand halten und eventuell Masken tragen kann der oder die Erkrankte das Ansteckungsrisiko reduzieren.
Eine sinnvolle Vorbeugung gegen Halsschmerzen besteht in einer gesunden Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, die genügend Vitamin C enthält.
Unsere Hauptlieferanten für natürliches Vitamin C sind je nach Ernährung Citrusfrüchte sowie Kiwis und Erdbeeren. Bei frischem Gemüse sind es vor allem. Spinat, Feldsalat und Kohlsorten. Den höchsten Vitamin C-Gehalt haben aber Acerola, Schwarze Johannisbeeren, Hagebutten und Sanddorn.
Und natürlich soll man - Sie ahnen es! – immer ausreichend trinken.




















