Weltwassertag

Veröffentlichung: 18.03.2026
Autorin: Monika Loerchner


 

Andreas Wahl ist Hygienekontrolleur beim Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises. Er ist unter anderem für die Überwachung der Qualität unseres Trinkwassers zuständig. Daher haben wir ihm zum Tag des Wassers einige Fragen zum Thema Trinkwasser gestellt.

 

Herr Wahl, erste Frage: Trinken Sie Wasser aus dem Wasserhahn?

Andreas Wahl: „Aber ja, natürlich. In Deutschland kann man aufgrund der guten Überwachung der Trinkwasserqualität davon ausgehen, dass man aus jedem Trinkwasserhahn unbedenklich Wasser trinken kann.“

 

Das finde ich sehr beruhigend! Mehr muss ich ehrlich gesagt gar nicht wissen. Ich stelle aber trotzdem noch ein paar Fragen, weil der Beitrag sonst zu kurz wäre. Also: Sie überprüfen unser Trinkwasser. Wie genau sieht das aus?

Andreas Wahl: „Wir prüfen die Anlagen darauf, ob sie so beschaffen sind, dass es möglichst keine Gefahren für eine Verunreinigung des Wassers gibt und dass die Qualität des Wassers den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht. Außerdem müssen die Betreiber der Trinkwasserversorgungsanlagen viele weitere technische Regeln beachten. Dabei handelt es sich z.B. um DIN-Normen, Empfehlungen des Umweltbundesamtes und Arbeitsblätter des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V.

 

Wenn Sie also hingehen und feststellen, dass da ein falsches Rohr verlegt wurde, wird die ganze Anlage geschlossen?

Andreas Wahl (lacht): „Das sollte eigentlich so nicht vorkommen. Sehen Sie, wir kommen ja nicht erst dazu, wenn so eine Anlage in Betrieb geht, sondern sind bereits vor dem Bau an der Planung beteiligt.“

 

Was muss man denn bei einem solchen Bau alles beachten?

Andreas Wahl: „Wie gesagt, gibt es in der Trinkwasserverordnung sehr viele Vorgaben, zu viele, um sie hier aufzuzählen. Ein wichtiger Aspekt ist zum Beispiel das Material. Das Umweltbundesamt macht für das Material, das mit Trinkwasser in Berührung kommt, bestimmte Vorgaben und wir prüfen, ob diese Vorgaben eingehalten werden.“

 

Quelle bedeutet, dass das Wasser sauber ist. Oder?

Andreas Wahl: „Auch manche Quellwasser müssen gefiltert oder desinfiziert werden, weil im Quellwasser manchmal, z.B. nach starken Regenfällen, Keime sein können.“

 

Kann ich mir denn selbst Wasser, z.B. aus einem Bach, filtern, ohne irgendwelche teuren Hilfsmittel dafür zu kaufen?

Andreas Wahl: „Ich fürchte, da müssen Sie das Risiko eines Durchfalls in Kauf nehmen. In Wasserwerken werden Viren, Bakterien, Trüb- und Schadstoffe z.B. mit einer Membrananlage mit maximal 0,02 Mikrometer Porenweite aus dem Wasser gefiltert, das bekommen Sie allein so nicht hin. Zusätzlich fehlt Ihnen dann ja die Desinfektion.“

 

Wie desinfiziert man denn Wasser?

Andreas Wahl: „Mit Chlor oder UV-Bestrahlung.“

 

Ist Chlor nicht schädlich?

Andreas Wahl: „Nicht in diesen geringen Mengen. Auch dazu gibt die Trinkwasserverordnung Höchstwerte vor.“ 

 

Nun ist das Sauerland ja von den schönsten Wander- und Waldwegen durchzogen, durch die so mancher Bach fließt. Was würde passierten, wenn ich aus einer Waldquelle trinken würde?

Andreas Wahl (lacht): „Ihr Durst würde vermutlich gelöscht werden. Im Ernst: Das kann man nicht pauschal sagen. Es kann sein, dass alles in Ordnung ist. Sie können aber auch Durchfall oder eine andere Krankheit bekommen, etwa durch Parasiten wie Giardia lamblia. Auch wenn sich ein Zapfhahn an einer Quelle befindet, bedeutet das eben noch lange nicht, dass das Wasser Trinkwasserqualität hat.“

 

Kann man in jedem Land in Europa aus dem Wasserhahn trinken?

Andreas Wahl: „Eigentlich ja. Die gesetzlichen Bestimmungen für Trinkwasser sind europaweit angeglichen. Ich kann aber nicht sicher sagen, ob die Überwachung in allen Ländern so gut funktioniert wie in Deutschland.“

 

Ich bin ein wenig skeptisch…

Andreas Wahl: „In Europa gilt überall die EU-Trinkwasser-Richtlinie. Jedes Mitgliedsland musste diese Richtlinie innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht überführen und eine gesetzliche Regelung aufstellen, wie das Trinkwasser überwacht und beschaffen sein muss. In Deutschland ist das in der Trinkwasserverordnung umgesetzt worden. Die nationalen Gesetze können auch über die Anforderungen der EU-Trinkwasser-Richtlinie hinausgehen. In Deutschland haben wir teilweise Vorgaben, die strenger sind als die EU-Vorgaben.“

 

Was prüfen und kontrollieren Sie denn alles?

Andreas Wahl: „Wir prüfen die Einzugsgebiete der Wassergewinnungsanlagen auf hygienische Gefährdungen, dann natürlich die Wasserwerke an sich und auch Druckerhöhungsanlagen usw. Und dann überwachen wir natürlich noch die Betriebsweise und die Wasserqualität, die am Ende bei Ihnen zu Hause ankommt.“

 

Wenn so streng geprüft und überwacht wird, wieso schmeckt das Wasser dann in unterschiedlichen Regionen anders?

Andreas Wahl: „Das kommt durch andere Inhaltsstoffe und Mineralien. Das Wasser durchfließt ja den Boden und nimmt dabei Stoffe auf - Salze und Mineralien. Da der Boden unterschiedlich beschaffen ist, hat auch das Wasser von verschiedenen Orten unterschiedliche chemische Eigenschaften.“

 

Ich dachte immer, sauberes Wasser ist gleich sauberes Wasser…

Andreas Wahl: „Die Qualität hat auch beim Trinkwasser eine bestimmte Spannweite, zum Beispiel darf der pH-Wert zwischen 6,5 und 9,5 liegen. Manchmal hat man auch zum Beispiel eine unterschiedliche Wasserhärte (Calciumgehalt). Das ist so, wie wenn Sie zwei Äpfel essen, von denen einer süßer ist als der andere, das ist ganz normal.

 

Was passiert, wenn kein Wasser mehr da ist?

Andreas Wahl: „Das wäre schlecht. Daher sind die Wasserbehörden für die Bewirtschaftung der Gewässer zuständig. Das gilt übrigens auch für das Grundwasser.“

 

Einmal heißt es, man soll Wasser sparen, dann wieder nicht. Was denn nun? 

Andreas Wahl: „Das ist tatsächlich ein Dilemma, auf welches wir ständig ein Auge haben. Wenn Wasser zu lange stagniert, kann sich die Qualität verschlechtern. Gerade bei erwärmtem Trinkwasser etwa kann es sonst Probleme mit Legionellen geben. Daher muss auch bei Trinkwasserleitungen ein ausreichender Wasserdurchfluss stattfinden. Sind Sie länger als eine Woche nicht zu Hause, sollten Sie danach einmal alle Leitungen durchspülen, alle Wasserhähne einmal kalt und einmal richtig heiß aufdrehen. Ideal wären drei Minuten bei 60 Grad Celsius. Das gilt übrigens auch für Ihren Arbeitsplatz, wenn Sie da ein Waschbecken oder eine Spüle haben.“

 

Was unterscheidet eigentlich ein Mineralwasser ohne Kohlensäure aus der Flasche von unserem Kranwasser?

Andreas Wahl: „Wenn Sie mich so fragen: Nicht viel. Beides ist Wasser zum trinken und enthält immer Mineralien wie Natrium, Magnesium, Kalium und Calcium. In vielen Fällen hat unser Kranwasser sogar eine bessere Qualität als das Flaschenwasser, weil es strenger überwacht wird. Und es kommt von hier, direkt aus dem Sauerland und muss nicht auf Kosten der Umwelt von weit her gebracht werden.“

 

Könnte eigentlich hier in Deutschland jemand unser Grundwasser aufkaufen?

Andreas Wahl: „Das Grundwasser ist bei uns Gemeingut. Die Überwachung des Grundwassers wird von den Wasserbehörden übernommen. Die Trinkwasserversorgung ist immer Pflichtaufgabe der Kommunen. Private Wasserwerke gibt es eigentlich nicht. Die Wasserversorgung kann an Dritte, z.B. Wasserverbände, abgegeben werden, wird dann aber weiterhin von der Kommune kontrolliert.“

 

Das heißt, auch Dritte können sich um die Trinkwasserversorgung kümmern?

Andreas Wahl: „Genau. Das hat seinen Ursprung hier in der Siedlungsgeschichte. Wir haben viele kleine Dörfer, die sich außerhalb bereits bestehender Ortschaften gebildet und sich dann selbst um ihre Trinkwasserversorgung gekümmert haben. Insgesamt haben wir hier 12 kommunale Wasserversorger, 51 Wasserverbände bzw. Wasserinteressentengemeinschaften und 214 Kleinanlagen zur Wasserversorgung. Das ist relativ viel. Zum Vergleich: Es gibt Städte, in denen es nur einen einzigen Trinkwasserversorger gibt.“

 

Darf ich das auch? Zum Beispiel, indem ich in meinem Garten einen Brunnen baue?

Andreas Wahl: „Im Außenbereich normaler Weise ja, aber Sie müssen erst bei der Unteren Wasserbehörde fragen. Außerdem dürften Sie max. 100 m tief bohren. Wenn Sie den Brunnen anlegen, um sich selbst mit Trinkwasser zu versorgen, werden Sie genau wie jeder andere Versorger von uns überwacht. Die Beratung durch uns ist gebührenfrei, allerdings fällt bei den Eigenversorgern alle 5 Jahre eine Prüfungsgebühr an. Und Sie dürfen damit nur sich und Ihre direkte Familie versorgen, Sie dürfen das Wasser also nicht verkaufen. Wenn Sie das Wasser als Brauchwasser, z.B. für die Toilettenspülung, neben ihrer Trinkwasserversorgung nutzen möchten, müssen Sie diese Brauchwasseranlage beim Gesundheitsamt anzeigen, sofern hierzu Wasserleitungen in Ihrem Haus verlegt werden.“

 

Was ist mit einem eigenen Trinkwasserbrunnen in einem Nicht-Außenbereich?

Andreas Wahl: „In Deutschland unterliegen Sie in Sachen Trinkwasser einem Anschluss- und Benutzungszwang der öffentlichen Versorger. In einer normalen Wohngegend können Sie also davon ausgehen, dass Ihnen das nicht erlaubt wird.“

 

Was ist mit einem Brunnen für Tiere? Oder einer Versorgung über eine Regentonne?

Andreas Wahl: „Im Grunde genommen sollten Sie sich bei einem Vorhaben, bei dem es um Trinkwasser geht, immer mit uns in Verbindung setzen. Wir beraten Sie gern.“ 

 

Letzte Frage: Haben Sie in Ihrer Profession als Hygienekontrolleur einen Wunsch?

Andreas Wahl: „Um dauerhaft gutes Trinkwasser zu haben, ist es aus meiner Sicht mit das Wichtigste, die Umwelt und das Abwasser soweit wie möglich vor Verschmutzungen zu schützen. Das heißt, Grundwasser, Flüsse und Bäche möglichst nicht zu verschmutzen und auch andere Stoffe nicht ins Grundwasser gelangen zu lassen. Besonders schädlich sind z.B. Medikamente, Öl, Pflanzenschutzmittel oder sonstige Giftstoffe. Die sollte man auch zu Hause nicht im Abwasser entsorgen. Eine Toilette ist kein Mülleimer! Wir haben Kläranlagen, von denen aus das Abwasser wieder in den Naturkreislauf gelangt. Doch je verschmutzter ein Fluss, desto schlechter kann er das Wasser auf natürlichem Wege reinigen. Und umso mehr Aufwand müssen wir letztendlich betreiben, um das Wasser wieder zum Trinkwasser aufzubereiten. Das schlägt sich dann in den Kosten nieder, die auch für das Trinkwasser immer weiter ansteigen. Umweltschutz ist Trinkwasserschutz und somit auch immer Gesundheitsschutz!“

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