Erfahrungsbericht Notfallsanitäter im Rettungsdienst des HSK

Marco Neugebauer erzählt von seinen Ausbildungs-Erfahrungen beim Rettungsdienst des HSK.
Bei einer Übung lernen Notfallsanitäter den Ernstfall.

1. Berufswahl

Die Wahl des "richtigen" Berufes fällt vermutlich keinem so wirklich leicht, mir auch nicht. Ich hatte die verschiedensten Ideen und Überlegungen, welches der passende Beruf für mich ist. Im Laufe der Schulzeit an der Realschule konnte ich durch Praktika verschiedene Berufe für wenige Tage kennenlernen, darunter war allerdings nicht der Notfallsanitäter. Da ich mich nicht entscheiden konnte, was das Beste sei, habe ich noch die Fachhochschulreife am Berufskolleg "Am Eichholz" des Hochsauerlandkreises in Arnsberg im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen absolviert. Während der zweijährigen Schulzeit war ein Jahrespraktikum in der 11. Klasse integriert. In diesem Jahr habe ich im Krankenhaus gearbeitet. Dieses eine Jahr hat mir gezeigt, dass die Arbeit am und mit Menschen das Passende für mich ist, jedoch der Alltag im Krankenhaus in diesem einen Jahr nicht die Erfüllung für mich darstellte. Also habe ich mich noch während des Praktikums nach Alternativen im Bereich der Medizin umgesehen. Für mich kam u.a. eine Ausbildung zum Notfallsanitäter in Betracht, da ich schon das ein oder andere Mal bei Feuerwehreinsätzen mit dem Rettungsdienst in Kontakt gekommen bin und schon einiges über den Rettungsdienst gehört habe.

2. Von der Bewerbung zur Einstellung

Im Sommer 2014 waren für das Folgejahr erstmals Ausbildungsplätze für den Notfallsanitäter / die Notfallsanitäterin beim Hochsauerlandkreis ausgeschrieben. Ich informierte mich über den Hochsauerlandkreis als Ausbildungsbetrieb und verschickte daraufhin meine Bewerbung an Herrn Nolte. Einige Wochen später erhielt ich die Einladung zum schriftlichen Eignungstest. Nach erfolgreich bestandenem Testverfahren folgte die Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch. Nachdem die ersten beiden Hürden überstanden waren, ging es im Frühjahr 2015 weiter: der physische Eignungstest stand auf dem Plan. Mit der Einladung zum physischen Eignungstest wurde bereits mitgeteilt, welche Übungen abzulegen sind. Nach Abschluss des Verfahrens bekam ich schließlich die Zusage.

3. Beginn der Ausbildung

Der Ausbildungsbeginn war der 01.09.2015. Fünf neue Auszubildende zum / zur Notfallsanitäter/in wurden begrüßt. Die ersten Tage galten dem Kennenlernen untereinander. Zunächst machten wir gemeinsam mit den Praxisanleitern und dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes eine Rundfahrt durch den Hochsauerlandkreis. Wir fuhren die verschiedenen Standorte der Rettungswachen an und konnten erste Einblicke in einige spezielle Arbeitsbereiche gewinnen, z. B. die Arbeit mit dem Abrollbehälter MANV (Massenanfall von Verletzten). Ebenso gab es verschiedene Team-Building Aktionen, um das "Team" zu stärken. Denn besonders im Rettungsdienst ist der Erfolg der Arbeit von einer guten Teamarbeit abhängig. Wir sollten als Gruppe zusammenwachsen, was sehr gut gelang. #GoHSK Nach den ersten gemeinsamen Wochen startete am 03.10.2015 für uns die Schule.

4. Berufsschule

Die Berufsschule für die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist das Institut für Bildung und Kommunikation (IBK) des DRK in Münster. Hier begann die schulische Ausbildung. Gemeinsam mit dem Ausbildungsleiter und dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes wurden wir und unsere Kollegen aus den Kreisen Coesfeld und Warendorf durch den Schulleiter der Rettungsdienstschule begrüßt und unserem Lehrgangsleiter vorgestellt. Der Unterricht fand von Montag bis Freitag statt. In dieser Zeit wurden wir in Münster untergebracht. An den Wochenenden hatten wir keinen Unterricht und somit auch keine Unterbringung, sodass man am Wochenende seine Zeit Zuhause verbrachte. Die jeweiligen Unterrichtseinheiten fanden in Seminarblöcken von verschiedener Länge statt. Im Gegensatz zum klassischen Schulunterricht gab es keine festen Unterrichtsfächer, sondern verschiedene Lernfelder, welche aufeinander aufbauten. Hierbei war es wichtig, verschiedene Verknüpfungen herzustellen und bereits Erlerntes mit neuem zu verbinden. Zum Unterricht in der Schule gehörten u.a. die sog. Praxistage sowie Klausuren. Die durchgeführten Praxistage dienten zur Vertiefung des Wissens und zur Vorbereitung auf die einzelnen Praxisblöcke auf der Rettungswache.

Alltag im Rettungsdienst

Konzentriert Arbeiten rettet Leben.

5. Alltag im Rettungsdienst

Der Alltag im Rettungsdienst sieht anders aus als viele sich ihn vorstellen. Im privaten Umfeld hörte ich am Anfang der Ausbildung häufig Aussagen wie: "Du arbeitest im Rettungsdienst? Ich könnte sowas nicht, die ganzen schrecklichen Unfälle?" oder "Hast du keine Probleme damit Blut zu sehen?". Die Liste könnte man noch ein ganzes Stück weiterführen, aber Verkehrsunfälle und stark blutende oder gar spritzende Wunden sind selten - zum Glück. Der Alltag sieht anders aus. Der Großteil der Patienten / Patientinnen ist im gehobenen Alter und da hat man mit vielen verschiedenen Erkrankungen zu kämpfen und die Medikamentenlisten sind oft lang. Immer wieder fährt man Patienten / Patientinnen, die Probleme mit dem Blutdruck haben, keine Luft bekommen oder bei denen etwas am Herzen nicht in Ordnung ist, ins Krankenhaus. Häufig handelt es sich um bereits bekannte Erkrankungen, die sich akut verschlechtert haben. Der Patient / die Patientin muss sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Die o.g. Unfälle gibt es auch, welche durch die Medien oft direkt publik gemacht werden, aber für einen einzelnen Mitarbeiter des Rettungsdienstes doch selten sind. Die Arbeit mit und am Menschen ist sehr vielseitig, man sieht die unterschiedlichsten Patienten / Patientinnen. Ebenso lernt man die verschiedenen Kulturen kennen. So stellen mögliche Sprachbarrieren auch mal ein Problem dar. Als Erster bei einem Patienten / einer Patientin zu sein macht den Beruf so spannend. Es ruft jemand in der Leitstelle an und schildert einen lebensbedrohlichen Zustand, der RTW kommt. Ich habe die Pflicht zu entscheiden, was in diesem Moment das Richtige ist und muss handeln bis der Notarzt eintrifft; ab hier arbeiten wir als Team gemeinsam weiter. Das Leben in der Rettungswache ist im Vergleich zu anderen Berufen anders. Dort ist eine "zweite Familie". Mit dem einen kommt man super klar, mit dem anderen weniger. So muss es sicher auch mit Geschwistern zu Hause sein. Die Frage, die sich viele stellen: "Was macht man eigentlich in so einem 24-Stunden-Dienst?" Die Antwort ist leicht: Leben retten, die Patienten / Patientinnen versorgen, betreuen und diese wieder nach Hause bringen. Zwar keine 24 Stunden am Stück, jedoch ist man viel unterwegs - es muss ja nicht immer mit Blaulicht und Martinshorn sein. Um 7 Uhr ist Dienstbeginn. Erste Aufgabe: Fahrzeugcheck. Zusammen mit einem / einer Teampartner/in, z. B. auch mit einem Praktikanten / einer Praktikantin oder einem / einer Auszubildenden, wird das komplette Fahrzeug kontrolliert. Ist der Fahrzeugtank voll? Haben wir genug Öl? Was macht der Reifenzustand? Alles sind grundlegende Aufgaben zu Dienstbeginn. Hinzu kommt der für den Notfallsanitäter / die Notfallsanitäterin wichtige Teil: die medizinische Ausrüstung. Ist der Rucksack komplett bestückt? Haben wir alle Medikamente, Infusionen und diagnostische Mittel? Können wir ein EKG erheben und bei einer Reanimation defibrillieren? Kommt wohl möglich ein Verkehrsunfall? Die HWS-Orthese ("Halskrause"), die Schaufeltrage und die Vakuummatratze müssen in diesem Fall funktionstüchtig sein. Ist die Trage in einem einwandfreien Zustand? Was ist, wenn wir einen Patienten / eine Patientin beatmen müssen? Haben wir genug Sauerstoff? Ist das Beatmungsgerät einsatzbereit? Ist alles vorhanden bzw. wurde alles aufgefüllt, wird das Fahrzeug einer Routinedesinfektion unterzogen, hierbei werden die Arbeitsflächen und die Handläufe desinfiziert. Zusätzlich werden mindestens einmal wöchentliche - oder bei Bedarf auch weitere - Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt, die Fahrzeughalle gereinigt oder die Fahrzeuge gewaschen. Es folgen weitere Aufgaben wie die Dokumentation von Desinfektionsmaßnahmen, Patientenprotokollen, Abrechnungen usw. In der einsatzfreien Zeit besteht jederzeit die Möglichkeit zu lernen oder Gelerntes wieder aufzufrischen. Hierzu stehen verschiedene Lehrbücher zur Verfügung - denn Stillstand ist Rückgang.

Gesammelte Erfahrungen

Mit dem Rettungswagen unterwegs.

6. Praktika im Krankenhaus

Neben der Ausbildung, in der Schule und an der Rettungswache sind insgesamt 720 Stunden im Krankenhaus zu absolvieren. Im Krankenhaus lernt man die verschiedenen Bereiche kennen: die Notaufnahme, die Intensivstation, die Pädiatrie (Kinderstation), die Psychiatrie, die Pflegestation sowie die Anästhesie (Narkoseabteilung). Den größten Teil deckt die Anästhesie ab. Hier werden einem wichtige invasive Maßnahmen sowie Assistenzen gezeigt, gelehrt und durchgeführt; beispielsweise das Legen von intravenösen Zugängen und die extraglottische Atemwegssicherung. Beides sind Maßnahmen, die ein/e ausgelernte/r Notfallsanitäter/in im Bedarfsfall durchführen muss. Zudem dürfen die von Ärzten und Ärztinnen durchzuführenden Maßnahmen assistiert werden, z. B. die endotracheale Intubation.

7. Sonstiges

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, geht es teilweise schon sehr ins Detail. Teilweise sind auch Fachbegriffe gefallen. Beim Lesen sind eventuell vorgebildete Interessierte etwas im Vorteil. Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in die Ausbildung des Notfallsanitäters / der Notfallsanitäterin geben. Wer ansonsten noch Fragen hat, kann sich informieren, wann und wo eine Ausbildungsbörse stattfindet und wird dort am Stand des Hochsauerlandkreises die eine oder andere Frage stellen können. Vielleicht sind auch Kollegen / Kolleginnen des Rettungsdienstes mit vor Ort und können euch direkt aus erster Hand weitere Fragen beantworten. Ebenso stehen auf der Homepage des Hochsauerlandkreises weitere Ansprechpartner für den Bereich "Ausbildung im Rettungsdienst" zur Verfügung. Viel Erfolg bei der Bewerbung und vielleicht sieht man sich bald. FOTOS VON Edgar Schmidt