Kreisinspektoranwärterin - Was ist das denn?

Zum ersten Mal aufmerksam auf den Ausbildungsberuf wurde ich während eines Berufsinformationstages an unserer Schule.

Im Rahmen eines ca. 60-minütigen Vortrages und einer anschließenden Fragestunde stellte uns der Ausbildungsleiter des Hochsauerlandkreises unter anderem diesen Beruf vor.

Um weitere Erfahrungen zu sammeln und um herauszufinden, ob diese Berufsrichtung etwas  für mich ist, entschloss ich mich, in den darauffolgenden Osterferien ein Praktikum zu machen. In dieser Woche wurde mir bereits ermöglicht, in verschiedene Bereiche der Kreisverwaltung einen Einblick zu bekommen.

Aufgrund meiner ersten gesammelten Erfahrungen entschloss ich mich, unter anderem zum Hochsauerlandkreis eine Bewerbung für eine Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Dienst (Bachelor of Laws) zu senden. Nach einer Eingangsbestätigung kam dann auch schnell die Einladung zum schriftlichen Testverfahren.

Vorweg kann ich sagen: Als ich nach dem ca. 4-stündigen Test wieder zu Hause war, sagte ich meinen Eltern, dass ich mir schon einmal was anderes suchen kann. Das Gefühl nach dem Test war dementsprechend nicht so gut. Während des Tests saßen wir zusammen mit Bewerbern anderer Städte und Gemeinde in einem großen Sitzungssaal im Kreishaus in Meschede. Vor uns saß an einem Tisch eine Mitarbeiterin der DGP (Deutsche Gesellschaft für Personalwesen), welche die Testbögen austeilte und dann zu jeder Aufgabe / Frage die Zeit stoppte. Die Zeit war meistens knapp bemessen, es handelte sich nur um wenige Sekunden oder Minuten. An Aufgaben wurde aus jedem Bereich etwas abgedeckt: Mathematik, logisches Denken, Rechtschreibung, Politik, Geschichte u.v.m..

Überraschenderweise kam dann doch die Einladung zu dem darauffolgenden Vorstellungsgespräch. Dieser Tag bestand aus Gruppendiskussionen, Rollenspielen und einem Einzelgespräch, in dem man zuerst von sich selbst erzählen sollte und anschließend von einer Psychologin der DGP Fragen zur Kreisverwaltung und zur alltäglichen Arbeit in der Kreisverwaltung („Was würden Sie tun / sagen, wenn…?“) gestellt bekam.

Das Bewerbungsverfahren insgesamt war wirklich nicht leicht und der Druck, den die gestoppte Zeit beim schriftlichen Test auf einen ausübte und auch die gefühlten 20 Augen, die einen beim Vorstellungsgespräch anstarrten, machten es nicht gerade leichter.

Ich persönlich kann empfehlen, sich vorher ausgiebig mit der Kreisverwaltung auseinander zu setzen und sich zu informieren. Zur weiteren Vorbereitung auf den schriftlichen Test gibt es auf der Internetseite der DGP (www.dgp.de) im Download-Bereich Testfragen und – aufgaben.

Ab dem Zeitpunkt befanden wir uns im ersten und in dem direkt darauffolgenden zweiten Studienabschnitt an der FH in Hagen. Natürlich dauert es einige Zeit, bis man sich an das „Studierender sein“ gewöhnt hat, da es doch einige Unterschiede zu dem vorherigen Schulalltag gibt.

Die Fachhochschule in Hagen ist nicht vergleichbar mit einer großen Universität. Sie ist eher klein, besteht aus drei Etagen, hat eine Cafeteria, einen kleinen Innenhof und eigene Parkplätze (leider nicht immer genug, so dass man öfter in einer kleinen Seitenstraße parken und etwas laufen musste). Die Kurse bestehen aus maximal 30 Studierenden, so dass das gemeinsame Lernen und die Vorlesungen sehr intensiv sind. Die Dozenten erwarten jedoch auch die Mitarbeit der Studierenden (diese wird jedoch nicht bewertet).

Ich hatte während der Zeit eine kleine Wohnung in Hagen, so dass ich nach den Vorlesungen in fünf Minuten zu Hause war. Die meisten Studierenden meines Kurses sind jedoch mit dem Zug oder mit dem Auto in Fahrgemeinschaften gefahren.

Im Mai 2013 standen dann die ersten vier Klausuren und zwei Fachgespräche auf dem Programm:

  • Allgemeines Verwaltungsrecht Zivilrecht
  • Öffentliche Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre
  • Rechnungswesen und Kommunales Finanzmanagement
  • Staats- und Europarecht und Politikwissenschaften
  • Psychologie, Soziologie und Ehtik

Die Angst war bei uns allen natürlich groß, da man einfach nicht wusste, was einen erwartet. Nach den ersten zwei Klausuren bekommt man jedoch nach und nach ein Gefühl dafür und die Angst legt sich etwas.

Dann ging es wieder an die FH in Hagen, von September bis Dezember 2013. Zum Ende des Abschnitts wurden wieder Klausuren geschrieben:

  • Polizei- und Ordnungsrecht, Verwaltungsvollstreckung
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Sozialrecht
  • Kommunalrecht und Verwaltungsmanagement- / Organisation

Außerdem wird in dem dritten Studienabschnitt eine Hausarbeit über mehrere Wochen geschrieben.

Im Januar 2015 geht es dann noch ein letztes Mal für vier Monate an die FH in Hagen. Dieser Studienabschnitt schließt nochmals mit zwei Klausuren und diversen Fachgesprächen ab.

Im Anschluss an den letzten Studienabschnitt wird in 7 Wochen die Bachelorarbeit verfasst.

Die Ausbildung endet mit einem zweimonatigen Praxisabschnittsmodul und einem Kolloquium.

Innerhalb der dreijährigen Ausbildung finden drei 4-tägige Verhaltenstrainings statt, „Training soziale Kompetenzen“. Im Rahmen dieser Trainingseinheiten erlernt man Verhaltensregeln mit Bürgern und Kollegen, aber auch die richtigen Reaktionen in schwierigen Situationen durch Rollenspiele und Teambuilding.

Während der Ausbildung, sowohl in den theoretischen als auch in den praktischen Abschnitten, erhält man Anwärterbezüge, welche im Vergleich zu anderen Ausbildungsvergütungen hoch sind, so dass auch eine eigene Wohnung in Hagen und ein Auto gut finanzierbar sind.

Die Ausbildung als Inspektoranwärterin startete zum 01.09.2012.

Die ersten zwei Tage der Einführungswoche verbrachten wir in der Kreisverwaltung, um bereits erste Kollegen und Vorgesetzte, aber auch das Gebäude kennenzulernen.

In den darauffolgenden zwei Tagen nahmen wir an einem Nachwuchskräfteseminar in einem Schulungszentrum in Langscheidt teil. Neben Rollenspielen zum ‘‘richtigen‘‘ Verhalten im alltäglichen Arbeitsleben in der Kreisverwaltung bestand außerdem die Möglichkeit, die anderen Azubis, auch von anderen Städten und Gemeinden, kennenzulernen.

An dem letzten Tag der Einführungswoche ging es dann nach Hagen zur FhöV (Fachhochschule für öffentliche Verwaltung). Hier standen ebenfalls erste organisatorische Dinge auf dem Programm:

  • In welchem Kurs bin ich?
  • Wie sieht mein Stundenplan aus?
  • Wer sind meine Dozenten?
  • Wer wird Kurssprecher?

Die Ausbildung ist wie ein duales Studium aufgebaut. Die theoretischen Abschnitte an der Fachhochschule wechseln sich ab mit Praxisabschnitten in der Kreisverwaltung, so dass man die angelernte Theorie auch anwenden kann.

Meinen ersten Praxisabschnitt verbrachte ich im Fachdienst Personal im Kreishaus in Meschede, den zweiten in der Kämmerei und den dritten im Fachdienst Steuerungsunterstüt-zung, Öffentlichkeitsarbeit und Service. Insgesamt müssen im Rahmen der Praxisabschnitte folgende Bereiche durchlaufen werden:

  • Organisation, Personalmanagement und Personalrecht
  • Finanzmanagement
  • Ordnungsverwaltung
  • Leistungsverwaltung
  • Praxisabschnittsmodul

Der erste Praxisabschnitt verlief von Juni bis August 2013. Zu jedem Ende eines Praxisabschnitts muss ebenfalls eine praktische Prüfung absolviert werden. Dies kann sein:

  • ein Themenvortrag
  • eine Aktenarbeit
  • ein Aktenvortrag.

Die Noten der praktischen Prüfungen fließen ebenfalls mit in die Bachelornote ein.

Nach dem dritten Studienabschnitt folgte im Januar 2014 der zweite Praxisabschnitt bis April 2014, welcher erneut mit einer Prüfung abschloss. Zu der Ausbildung gehört ebenfalls eine Projektarbeit, welche bei uns von April bis Mitte Juni 2014 (10 Wochen) stattfand.

Im Rahmen der Projektarbeit erarbeitet man in einer Gruppe (wir waren sieben Studierende) ein praxisrelevantes Thema und erstellt eine schriftliche Arbeit, ähnlich der Bachelorarbeit. In diesen 10 Wochen befindet man sich weder an der FH in Hagen noch in der Kreisverwaltung. Die  schriftliche Arbeit erledigt man von zu Hause aus und für die wöchentlich anstehenden Treffen der Projektgruppe können die Räume im Kreishaus genutzt werden. Am Ende der 10-wöchigen Projektphase wird das Ergebnis in einer Präsentation vorgestellt.

Nach der Projektphase startet der dritte Praxisabschnitt, in dem ich mich zur Zeit noch bis Mitte September 2014 befinde. Der anschließende vierte Praxisabschnitt erstreckt sich bis Ende dieses Jahres.

Die Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Dienst beim Hochsauerlandkreis (Bachelor of Laws) ermöglicht einem durch den dualen Aufbau, die angelernte Theorie direkt in der Praxis umzusetzen. Durch die verschiedenen Praxisabschnitte lernt man die Vielfalt der Kreisverwaltung und auch seine eigenen Stärken und Schwächen für die Zeit nach der Ausbildung kennen.

In der Ausbildung wird vom Arbeitgeber jedoch auch viel Engagement und Motivation erwartet, bspw. durch die freiwillige Teilnahme an Seminaren, Berufsbörsen oder Versammlungen der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Ich hoffe, dass ich hiermit einen kleinen Einblick in die Ausbildung beim Hochsauerlandkreis geben und euch für die Entscheidung, sich zu bewerben, anregen kann.

Ausbildung zur Kreisinspektorin - Warum?

Nachdem ich meine Ausbildung im mittleren allgemeinen Verwaltungsdienst abgeschlossen habe, habe ich zunächst einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Im Laufe der Zeit habe ich dann aber gemerkt, dass ich mich weiterentwickeln möchte und mich für den Aufstieg in den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst beworben.

Das Bewerbungsverfahren habe ich gemeinsam mit allen anderen Bewerbern durchlaufen. Am Ende stand dann das Ergebnis „zugelassen“ und ich habe mich riesig gefreut. Aber mit der Freude kamen auch ungute Gefühle: Was erwartet mich in der Ausbildung? Kann ich die Ausbildung schaffen? Wie ist es wohl zu studieren? Und natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es wohl sein wird, wieder als „Azubi“ in den Ämtern zu arbeiten.

 

Die ersten Tage in Hagen an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung waren schon sehr ungewohnt. Die Kurse bestehen aus ca. 30 Studierenden aus verschiedenen Einstellungsbehörden. Es werden Fächer wie allgemeines Verwaltungsrecht, Zivilrecht und externes Rechnungswesen gelehrt. Aber auch Fächer wie Ethik und Psychologie stehen auf dem Stundenplan.

Nach Ablegung der ersten Prüfungen folgte dann der erste Praxisabschnitt in der Verwaltung. Mein erster Praxisabschnitt war in der Personalsachbearbeitung der Kreispolizeibehörde des Hochsauerlandkreises. Als Auszubildende wurde ich super aufgenommen und in die täglichen Arbeitsabläufe mit eingebunden. Ich habe dort unter anderem die Prüfung von Nebentätigkeitserlaubnissen bearbeitet, Anträge auf Sonderurlaub geprüft oder auch Elternzeitanträge bearbeitet. In der Personalsachbearbeitung kommen alle Angelegenheiten zu-sammen die zwischen dem Arbeitgeber und dem Angestellten/Beamten anfallen. Bewerbungen, Umsetzungen und Krankenmeldungen gehören genau wie die Eintragung von Urlaub, die Erfassung von der Teilnahme an Fortbildung oder der Vermerk der Änderung des Familienstandes zur täglichen Arbeit der Mitarbeiter.

Ein Praxisabschnitt in der Verwaltung erstreckt sich meist auf 3 Monate. In dieser Zeit bekommt man einen guten Einblick in die Arbeit im jeweiligen Amt. Während der gesamten Ausbildung durchläuft man fünf Praxisabschnitte und bekommt einen Eindruck der verschiedenen Bereiche einer Verwaltung. Darüberhinaus lernt man viele Mitarbeiter kennen.

Nun bin ich schon im dritten Jahr meiner Ausbildung und habe meine Entscheidung für die Ausbildung keinen Tag bereut. Die Ausbildung in Form eines dualen Studiums ist ab-wechslungsreich, spannend und interessant. Man lernt in der Zeit der Studienabschnitte unheimlich viel, was man in den Praxisabschnitten einsetzen kann. Zudem sind die Aussichten auf einen krisensicheren Arbeitsplatz und eine durchaus attraktive Ausbildungsvergütung auch Punkte die für die Ausbildung in der Kommune sprechen.