Portrait des Kreises

Der 1884 erbaute Astenturm auf dem 841 m hohen Kahlen Asten
Der 1884 erbaute Astenturm auf dem 841 m hohen Kahlen Asten
Der Hochsauerlandkreis (HSK) ist mit fast 2.000 Quadratkilometern landesweit der flächengrößte Kreis und liegt inmitten der Tourismusregion Sauerland, der größten zusammenhängenden Urlaubsregion in Nordrhein-Westfalen.

Waldreiche Mittelgebirgslandschaft mit Seen und reizvollen Flusstälern prägt das geographische Bild. Mit dem bekannten Kahlen Asten (841 Meter, siehe Foto Astenturm) und dem um zwei Meter höheren Langenberg liegen im Kreisgebiet die höchsten Erhebungen Nordrhein-Westfalens. Für rd. 280.000 Menschen ist der Kreis Heimat.

Entstanden ist der Kreis mit der kommunalen Neugliederung im Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1975. Aus den früheren Kreisen Brilon, Meschede und Arnsberg wurde der Hochsauerlandkreis mit den Städten Arnsberg, Brilon, Hallenberg, Marsberg, Medebach, Meschede, Olsberg, Schmallenberg, Sundern und Winterberg sowie den Gemeinden Bestwig und Eslohe.

1994 hatte das Land Nordrhein-Westfalen ein neues Gesetz zur Verwaltungsstrukturreform beschlossen. Danach wurde die sogenannte Doppelspitze in der Verwaltungsleitung (Landrat und Oberkreisdirektor) mit der Kommunalwahl am 12. September 1999 abgeschafft. Sie wurde ersetzt durch den hauptamtlichen Landrat, der dann zugleich auch Chef der Verwaltung ist. Seit Oktober 2005 ist Dr. Karl Schneider Landrat des Hochsauerlandkreises. Er wurde im September 2005 mit 55,1 % der Stimmen gewählt.

Moderne Techniken, Marktnähe, Flexibilität und Ortsverbundenheit sind es, die die überwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur des Kreises prägen. Innovative und risikofreudige Unternehmer mit hervorragend qualifizierten Mitarbeitern bieten die Gewähr für sichere Arbeitsplätze im Sauerland. In enger Kooperation mit den Städten und Gemeinden hat die Kreisverwaltung dafür gesorgt, dass die Unternehmen günstige Rahmenbedingungen vorfinden.

Im Kreis sind mehr als 40 % aller Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe tätig. Das sind weit mehr als im Landesdurchschnitt. Zum größten Bereich hat sich im letzten Jahrzehnt der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von 56 % entwickelt. Besonders dynamisch haben sich dabei gerade die kleinen und mittleren Unternehmen erwiesen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Erwerbslosen wider. Während die Quoten Anfang der 80er Jahre noch zu den höchsten im Lande Nordrhein-Westfalen gehörten, war die Entwicklung bis heute überaus positiv. Mit einer im Schnitt unter 8 % liegenden Arbeitslosigkeit gehört der Hochsauerlandkreis heute zu den positiven Spitzenreitern. Jedoch auch im HSK macht sich jetzt die angespannte Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation bemerkbar.

Für eine positive wirtschaftliche Entwicklung in einer Region ist ein gut ausgebautes Straßen- und Schienennetz von existenzieller Bedeutung. Der Kreis ist auf diesem Gebiet ebenfalls ein gutes Stück vorangekommen. Mit dem Bau der Autobahn A 46, die die Region von West nach Ost erschließt, ist sie direkt verbunden mit den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr sowie den neuen Bundesländern. Die Schnellstraße ist durchgängig zwischen Neheim und Bestwig zu befahren. Daran anschließen soll sich der Weiterbau der B7 als kreuzungsfreie Straße bis Haaren-Wünnenberg zur A 44.

Für die Beseitigung der Abfälle ist der Kreis zuständig. Die beiden bestehenden Deponien in Arnsberg-Müschede und in Bestwig-Halbeswig waren Mitte der 90er Jahr verfüllt. In einem umfangreichen gutachterlichen Verfahren, bei dem insgesamt 103 Standortmöglichkeiten überprüft wurden, wurde für eine neue ?Zentraldeponie Hochsauerland? ein Areal bei Meschede-Frielinghausen bestimmt. Nach dem Baubeginn 1994 wurde die Zentraldeponie 1997 in Betrieb genommen. Sie hat ein Fassungsvermögen von 7,8 Millionen Kubikmeter und ist in fünf Ausbauabschnitte aufgeteilt. Diese zentrale Reststoffdeponie ist die modernste Anlage ihrer Art in Deutschland. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung hat der HSK Ende 2002 die Restabfallbehandlung vergeben. Das Gesamtvolumen für den 15-jährigen Leistungszeitraum liegt bei rund 109 Millionen Euro brutto.

Bike Arena Sauerland
Bike Arena Sauerland

Die noch überwiegend intakte wald- und wasserreiche Mittelgebirgslandschaft des Sauerlandes ist es, die in jedem Jahr Hunderttausende von Erholungssuchenden aus der ganzen Republik und dem benachbarten Ausland ins Land der tausend Berge zieht. Neben den schmucken Orten sind es vielfältige Sport- und Freizeitangebote, die jedes Jahr mehr als sechs Millionen Gäste im Sauerland übernachten lassen. Hotels, Gaststätten und Ferienwohnungen sind auf dem neuesten Stand.

Besonders reizvoll und sich durch Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft auszeichnend sind die fünf Naturparke, an denen der Kreis beteiligt ist. Sie umfassen 56 % der Fläche. Zudem gibt es 230 Naturschutzgebiete und zahlreiche Landschaftsschutzgebiete.

Heimatverbundenheit und freiwilliger Einsatz für die Gemeinde und das Dorf, in denen man lebt, sind die Stichworte für den Wettbewerb ?Unser Dorf soll schöner werden?, bei dem die Sauerländer Orte schon seit 1963 überragende Erfolge erzielen. So gab es bislang 13 Bundes- und 20 Landesgolddörfer. Hier werden Beispiele für aktives Vereins- und Gemeinschaftsleben in den Dörfern gegeben. Die Intention des Wettbewerbs hat sich im Laufe der Jahre deutlich verändert. Standen anfangs vor allem die Sauberkeit der Orte und viel Blumenschmuck im Mittelpunkt, so werden heute ökologische Aspekte und Gemeinschaftseinrichtungen stärker bewertet.

Stets den Erfordernissen der modernen Entwicklungen in Wirtschaft, Handel, Handwerk und Verwaltung entsprechen auch die Angebote der Berufskollegs mit ca. 11.300 Schülern, deren Träger der Kreis ist. Sie bieten an den Standorten Neheim-Hüsten, Arnsberg, Meschede, Olsberg und Brilon differenzierte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Verschiedenste Abschlüsse bis zur Allgemeinen Hochschulreife können dort erworben werden. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, investiert der HSK innerhalb von fünf Jahren rd. 30 Millionen Euro in die Schulen.

Eine deutliche Steigerung der Ausgaben musste der Kreis in den vergangenen Jahren auch im sozialen Bereich verkraften. Die Zahl der Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu erwirtschaften, ist stark gestiegen. Die Gründe dafür liegen unter anderem bei der recht hohen Zahl von Langzeitarbeitslosen, aber auch viele alleinerziehende Mütter sind auf Sozialhilfe angewiesen. Darüber hinaus sind die Leistungen in den vergangenen Jahren angestiegen. Sie wurden den allgemeinen Lebenshaltungskosten angepasst.

Um weiteren Steigerungen in der Sozialhilfe gegenzusteuern, werden seit einigen Jahren Programme unter dem Motto ?Arbeit statt Sozialhilfe? gefahren. Sie werden aus Mitteln der Europäischen Union, des Bundes, des Landes und des Kreises gespeist. Der Kreis möchte mit diesen Aktivitäten als Sozialhilfeträger Rahmenbedingungen schaffen, die langfristig zu einer Konsolidierung im Sozialetat beitragen.

Weiterer unverzichtbarer Bestandteil einer zeitgemäßen Sozialpolitik ist die flächendeckende Versorgung mit ambulanten Diensten der Alten-, Kranken- und Familienpflege. Zu nennen sind hier die Sozialstationen in Trägerschaft der Caritas-Verbände. Hinzu kommen eine Reihe von Beratungsangeboten dieser Verbände und des Diakonischen Werkes sowie ?Mobile soziale Dienste? der Arbeiterwohlfahrt.

Die Lebensqualität in einer Region wird wesentlich mitbestimmt durch ein vielfältiges kulturelles Angebot. Maßgeblich beteiligt an der Kulturarbeit ist die Kreisvolkshochschule mit ihren Kursen, Seminaren und Einzelveranstaltungen. Tätig ist sie in Meschede, Schmallenberg, Sundern, Winterberg, Bestwig, Eslohe, Hallenberg und Medebach. Dank ihrer guten Ausstattung und der reizvollen Lage am Sorpesee in Sundern-Langscheid wird das Bildungszentrum Sorpesee des Kreises gern auch von Verbänden und Gruppen anderer Träger als Seminarort genutzt.

German Brass beim Sauerland Herbst
German Brass beim Sauerland Herbst

Der Hochsauerlandkreis hat eine starke sogenannte "Mitmach-Kultur". Dafür stehen zahlreiche Vereine und Gemeinschaften, die das bürgernahe Kulturleben prägen. Die Auswertung der vom Kreis initiierten "Marketing-Studie Sport und Kultur" hat wissenschaftlich gesicherte und wertvolle Hinweise auf die kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung gegeben.

Das Sauerland-Museum im Landsberger Hof in Arnsberg ist als Regionalmuseum für das gesamte kurkölnische Sauerland ein besonderer Anziehungspunkt. Einen wesentlichen Anteil am neuen Konzept haben die museumspädagogischen Angebote für Schulen. Das Museum zeigt zudem pro Jahr eine Reihe von Wechselausstellungen in den unterschiedlichen Kunstrichtungen.

Ein Juwel in der Kulturszene ist die Kreismusikschule. Dies gilt sowohl für ihre Breitenwirkung als auch für ihre kulturellen Spitzenproduktionen. Tätig ist sie in allen zwölf Kommunen und bietet für Kinder und Jugendliche intensive musikalische Grund- und Weiterbildung an. Heute werden etwa 4.600 junge Menschen unterrichtet. Die Auftritte der Chöre, Orchester und Ensembles finden stets hohe Anerkennung. Zahlreiche Preise bei Wettbewerben dokumentieren das hohe Niveau der Gruppen.

Zu einem kulturellen Jahreshöhepunkt hat sich der Sauerland-Herbst, das weltweit größte Blechbläser-Festival, entwickelt. Bei der sechsten Auflage 2005 besuchten 6.000 Musikinteressierte die 19 Konzerte. Das Konzept, außergewöhnliche Klangerlebnisse an ungewöhnlichen Orten mit kulinarischen Genüssen anzubieten, hat sich bewährt.

Sportliche Höchstleistungen können Zuschauer auf der Bobbahn Winterberg Hochsauerland bewundern. Die 1977 eröffnete Bahn bietet den Sportarten Bob, Rodel und Skeleton optimale Bedingungen. Es finden dort immer wieder Top-Veranstaltungen wie Welt- und Europameisterschaften, Weltcups und Deutsche Meisterschaften statt.

Von besonderem architektonischen Niveau und Reiz ist das neue Kreishaus in Meschede. 1988 wurde der das Stadtbild von Meschede mit prägende Bau eingeweiht. Etwa 400 der knapp 1.000 Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben hier ihren Arbeitsplatz. Repräsentative Räume stehen für die Sitzungen des Kreistages und seiner Ausschüsse zur Verfügung. Das Haus hat sich seit seiner Eröffnung zu einem ?Treffpunkt für die Bürger? entwickelt. In den Sitzungs- und Tagungsräumen arbeiten nicht nur der Kreistag und seine Ausschüsse, sondern sie werden auch anderen Gruppen wie Kirchen, Gewerkschaften, Verbänden usw. zur Verfügung gestellt. Regelmäßige Ausstellungen im Kreishaus locken immer wieder viele Kunstfreunde an. Das Haus ist, das wird immer wieder von den Besuchern bestätigt, ein vom Funktions- und Erscheinungsbild her gelungener Wurf. In den Kreishäusern Arnsberg und Brilon werden starke Außenstellen der publikumsintensiven Fachdienste unterhalten.

Bis heute Bestand hat die Partnerschaft des Kreises mit dem schottischen Distrikt West Lothian. Sie wurde bereits 1972 im Kreis Arnsberg gegründet. 2002 wurde mit einer Begegnung in West Lothian und im HSK das 30-jährige Bestehen dieses Miteinanders gefeiert. In jedem Jahr begeben sich vor allem jüngere Menschen auf die Reise nach Schottland und von Schottland ins Sauerland. Organisatorisch und finanziell unterstützt von der Kreisverwaltung werden die Begegnungen getragen von den Partnerschaftsvereinigungen in beiden Kreisen.

Aber nicht nur mit Schottland, sondern auch mit Israel, nämlich dem dortigen Kreis Megiddo, unterhält der Hochsauerlandkreis partnerschaftliche Verbindungen. Im November 1992 wurden von den Landräten und den Verwaltungschefs die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet. Im Rahmen von Jugendbegegnungen mit Jerusalem gibt es aber bereits seit den 70er Jahren Kontakte zu Israel. Sie wurden in den 80er Jahren verstärkt.

Eine Partnerschaft besonderer Art besteht zwischen dem Hochsauerlandkreis sowie der Stadt Arnsberg und den nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertriebenen Einwohnern des ehemaligen Kreises Rosenberg in Oberschlesien, dem heutigen Olesno. Die Verbindung wurde bereits 1956 begründet. Die über das ganze Bundesgebiet verstreuten Heimatgruppen hielten seit der Gründung regelmäßige Treffen im Altkreis Arnsberg ab. Seit der Wende finden die Begegnungen wechselweise in Olesno und Arnsberg statt. Die Stadt Arnsberg hat inzwischen eine Patenschaft mit Olesno begründet. Zwischen dem Kreis Olesno und dem HSK wird zurzeit eine Partnerschaft vorbereitet.

Nicht nur im politischen Zeitenlauf, sondern auch innerhalb der Verwaltung des Hochsauerlandkreises gab es in den vergangenen Jahren gravierende Veränderungen und Umstrukturierungen. Details würden den Rahmen dieses Beitrages sprengen, deswegen nur einige kurze Anmerkungen:

Mit dem Jahr 1999 wurde die 1993/94 begonnene Neustrukturierung der Verwaltungsorganisation abgeschlossen. Von ehemals 25 Ämtern sind heute noch fünf Fachbereiche geblieben. Führungsfunktionen wie Dezernenten, Amtsleiter, Sachgebietsleiter oder Abteilungsleiter gibt es nicht mehr. Die Kreisverwaltung arbeitet in einem Zwei-Ebenen-System: Fachbereiche und Fachdienste. Die Leitungsfunktionen wurden von 130 auf 62 reduziert.

Die bisher gemachten Erfahrungen mit der neuen Fachbereichsleiterkonferenz zeigen, dass die Leitungsarbeit einfacher und effektiver geworden ist. Die Straffung auf zwei Führungsebenen hat die reibungslose und unbürokratische Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung gefördert. Die persönliche Verantwortung auf den Führungsebenen ist im Vergleich zur Ämterorganisation klarer und transparenter.

Der Hochsauerlandkreis nimmt die Herausforderungen des neuen Jahrtausends an und ist zuversichtlich, die Probleme mit Augenmaß und Phantasie meistern zu können. Die Menschen fühlen sich wohl in ihrer Heimatregion. Sie lieben ihre Städte und Dörfer. Sie fühlen sich als Sauerländer!

(Stand: März 2006)